Veranstaltungskalender

  • Mittwoch, 19.12. | 18:00 - 20:00

Heilige Texte in der religiösen Vermittlung (Bruno Landthaler) / Öffentliche Ringvorlesung - Heilige Schriften -

Bruno Landthaler, Frankfurt am Main:
In einer Welt visueller Eindrücke haben es Texte immer schwerer, ernstgenommen zu werden. Das gilt nicht nur für Literatur im Allgemeinen, sondern und vor allem auch für Heilige Texte von Religionen. Denn diese haben neben der Schriftlichkeit auch den Nachteil des hohen Alters. Wie also bei einer Jugend mit Heiligen Texten punkten, die die Welt in YouTube Clips wahrnimmt? Dass christliche Religionslehrerinnen und -lehrer mit dieser Problematik nicht alleine stehen, soll mit dem Blick auf jüdische Auslegungsstrategien unterstrichen werden.

Verständigung
Das Sprechen über Religion gewinnt im öffentlichen Raum zunehmend an Selbstverständlichkeit. Dabei sind die Prozesse der Verständigung zwischen den Religionen für unsere Gesellschaft von großer Bedeutung. Das Institut für Katholische Theologie der Universität Kassel eröffnet mit seiner Veranstaltungsreihe „Heilige Schriften“ einen solchen öffentlichen Raum, in dem jüdische, christliche und muslimische Gesprächspartnerinnen und –partner miteinander über Themen diskutieren, die für alle drei Religionen wesentlich sind.

Quelle von Offenbarung
Für Judentum, Christentum und Islam ist der Bezug auf ein Corpus von verbindlichen Texten identitätsstiftend. Diese Texte gelten als heilig: Sie werden liturgisch vorgetragen, ausgelegt, sind Gegenstand von Lehre und ethischer Reflexion. Ihr Ursprung wird in allen drei Religionen mit dem Göttlichen verbunden, sie sind Quelle von Offenbarung.

Was macht einen Text zum Heiligen Text?
Die Begründungen, was einen Text zum Heiligen macht, sind verschieden, ebenso wie die Form und Gestalt der Texte. Wie wichtig ist die Ursprache? Was an den Texten ist verbindlich? Welche Rolle spielt ein inspirierter Autor? Welchen Platz haben Widerspruch und Kritik? Diesen Fragen geht die Ringvorlesung „Heilige Schriften“ an der Universität Kassel nach.

Interdisziplinär
Die Reihe wird organisiert von Prof. Dr. Ilse Müllner und Prof. Dr. Mirja Kutzer vom Institut für Katholische Theologie. Sie ist interdisziplinär ausgerichtet. Mit Prof. Dr. Stefan Greif vom Fachgebiet Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Prof. Dr. Michael Mecklenburg vom Fachgebiet Mediävistik nehmen auch zwei Kasseler Germanisten teil. Ihre Vorträge haben die Themen „Profanität und Geschlecht. Die Dichtungen der Frau Ava und ihre Rezeption“ (Prof. Mecklenburg) und „Knocking on Heavens Door. Heilige Texte in der Popkultur“ (Prof. Greif).
Judaistin Prof. Dr. Hanna Liss, die 2017 die Franz-Rosenzweig-Professur innehatte, ist am 28. November mit ihrem Vortrag „Für Kinder, Kantoren und Mystiker: Die Vielfalt hebräischer Bibelausgaben im Hochmittelalter“ erneut an der Uni Kassel zu Gast.

Ab 24. Oktober mittwochs von 18 bis 20 Uhr, Eintritt frei
Die Vorlesungen finden ab dem 24. Oktober immer mittwochs von 18 bis 20 Uhr im Campus Center, Moritzstr. 18, Hörsaal 4 (Raum 1127) statt. Die Veranstaltungen sind öffentlich und kostenlos.

Weitere Ringvorlesungen „Heilige Räume“ und „Heilige Zeiten“
Mit der Ringvorlesung „Heilige Schriften“ startet eine Reihe von Ringvorlesungen, die Heilige Räume (WS 19/20) und Heilige Zeiten (WS 20/21) thematisieren. Diese Grundkategorien sind sowohl für das Judentum als auch für das Christentum und den Islam so existenziell, dass sie einerseits ein für alle bestimmendes Thema darstellen und andererseits genügend Raum für die unterschiedlichen Perspektiven bieten.

Die Vorlesungen im Überblick:

24.10. Welchen Text nennen wir „heilig“? Die vergebliche Suche nach dem Urtext am Beispiel des Jeremiabuches
Prof. Dr. Christl M. Maier (Marburg)

31.10. Facetten der feministischen Koranexegese
Dr. Dina El Omari (Münster)

07.11. Das gefundene Buch. (Selbst-)Autorisierungskonzepte biblischer Schriften
Prof. Dr. Ilse Müllner (Kassel)

14.11. Abschied vom „Gesetz“? Frühchristliche Tora-Auslegungen und Identitätsdiskurse
PD MMag. Dr. Andrea Taschl-Erber (Graz)

21.11. Und schrieb kein einziges Wort. Ereignis/Sprache/Schrift zwischen Legitimation und Autorität
Dr. Marcello Neri (Flensburg)

28.11. Für Kinder, Kantoren und Mystiker: Die Vielfalt hebräischer Bibelausgaben im Hochmittelalter
Prof. Dr. Hanna Liss (Heidelberg)

05.12. TextKörper. Heilige Texte als Räume subjektiver Erfahrung
Prof. Dr. Mirja Kutzer (Kassel)

12.12. Profanität und Geschlecht. Die Dichtungen der Frau Ava und ihre Rezeption
Prof. Dr. Michael Mecklenburg (Kassel)

19.12. Heilige Texte in der religiösen Vermittlung
Bruno E. Landthaler (Frankfurt)

16.01. „Knocking on Heavens Door“. Heilige Texte in der Popkultur
Prof. Dr. Stefan Greif (Kassel)

23.01. Heilig, aber profan. Über eine Dialektik des Heiligen in der biblischen Schrift
Prof. Dr. Knut Wenzel (Frankfurt)

30.01. „Apokryphe Evangelien – heilige Texte des (frühen) Christentums?“
Prof. Dr. Silke Petersen (Hamburg)

06.02. Nach der Schrift. Der Jesus-Roman und seine Erforschung in bibelhermeneutischer Perspektive
Dr. Andreas Mauz (Zürich)

Veranstalter

Institut für Katholische Theologie an der Universität Kassel

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