Ein Leben für und mit Afrika

Ein hingebungsvolles Leben für kulturübergreifendes Engagement

„Mut ist, zu bleiben. Auch wenn die Schlagzeilen verschwinden.“ Mit diesem Satz der Misereor-Aktion 2011 könnte man das Leben von Hannelore Klabes umschreiben.

Der Beginn
Ihr Engagement für Afrika beginnt vor vielen Jahrzehnten: am Tag ihrer Erstkommunion. Ihre Eltern „schenken“ ihr Matthieu, ein Patenkind aus Afrika, eine Patenschaft, die über viele Jahre Bestand hat. Matthieu, mittlerweile selbst Priester, lädt Hannelore Klabes ein, ihn in Rom und später auch in Burundi zu besuchen. Sie folgt seinen Einladungen und kommt so das erste Mal nach Afrika.

Nach dem Berufsleben
Ihre vier Kinder sind erwachsen, ihr Berufsleben in Deutschland beendet, jetzt kann Hannelore Klabes als Rentnerin fast zwanzig Jahre als Seniorexpertin quer durch die Welt reisen und den Menschen beim Start in ein selbstbestimmtes Leben helfen – durch ihren erlernten Beruf als Schneiderin und Hauswirtschaftslehrerin. Bis sie wieder nach Burundi kommt und dort, in einem der ärmsten Länder der Welt, „hängen bleibt“.
Durch die Freundschaft zu einem Ordensbruder und verstärkt nach dessen Tod versucht sie seine Arbeit weiterzuführen.1991 hilft sie beim Auf- und Ausbau des „Ausbildungszentrums der Behinderten und Waisen“ der Ordensgemeinschaft der Bene Terezya Schwestern in Gitega. Auch hier lehrt sie die jungen Menschen das Schneiderhandwerk. Im Vordergrund steht für sie immer der Versuch, die Menschen zum „selber handeln“ anzuregen.
Im Jahr 2004 ist die Zeit in Burundi um und Hannelore Klabes nimmt Abschied von Afrika und ihrer Tätigkeit als Seniorexpertin.

Artemisia und kein Ende
Vortragsreisen durch Deutschland folgen. Dabei trifft sie auf Dr. Hirt von der Schweizer Firma Anamed, der für den Anbau der Heilplanze „Artemisia-annua“ in Malawi wirbt. Diese Pflanze kann gut zur Bekämpfung von Malaria eingesetzt werden. Hannelore Klabes ist fasziniert von dieser Möglichkeit und fliegt zwei Wochen später nach Malawi, um dort alles Wissenswerte über die Pflanze zu lernen.

Was jetzt folgt, ist die lange Erfolgsgeschichte einer Pflanze, die auch der armen afrikanischen Bevölkerung eine Chance gegen Malaria bietet. Nach geglücktem Anbau, Bewässerung und Verwertung der Artemisia-Pflanze (ein Beifußgewächs) sorgt Hannelore Klabes dafür, dass alle daran teilhaben können. In Gitega/Burundi errichtet die inzwischen zweiundachtzigjährige Seniorin aus alten Containern eine Verkaufsstation für Pflanzen, Tee und Pulver zu erschwinglichen Preisen. Für den Um- und Ausbau dieser Station kann Hannelore Klabes sogar ihren Mann und die Familie ihres Sohnes gewinnen - so wie sie in den letzten zwanzig Jahren dieses hingebungsvolle Leben für kulturübergreifendes Engagement in Afrika nur leben kann mit einer Familie, die ihr mit Hilfe, Verständnis und „Zeit und Kraft teilen“ zur Seite steht.

Roswitha Heidrich und Sandra Wanisch

Lesetipp

Hannelore Klabes:
Bei den vergessenen Kindern Burundis. Mein zweites Leben in Afrika.
Books on Demand 2009 (ISBN 978-3-8370-8531-0)

nach oben Seite drucken