Foto: Hans-Joachim Denis

Fronleichnamsfeier 2018 auf dem Königsplatz

Die Christen gehen an Fronleichnam hinaus in die Welt. Sie sind unterwegs auf öffentlichen Plätzen und Straßen. Das gemeinsame Unterwegs-Sein erinnert daran, dass das Christentum nicht von der Statik des Bewahrens, sondern von der Dynamik eines Prozesses gekennzeichnet ist.

Gemeinsam
Gemeinsam feiern alle 11 Kirchengemeinden sowie die spanische, italienische, polnische und kroatische Mission ab 10.00 Uhr das Fronleichnamsfest auf dem Königsplatz.

Gott ist unterwegs zu finden
Die französische Philosophin Madeleine Delbrel hat gesagt, dass Gott unterwegs zu finden ist und nicht erst am Ziel. Wer unterwegs ist, der kann sich auch verändern und weiterentwickeln.

Eucharistiefeier
Die Eucharistiefeier wird zelebriert von Pfarrer Peter Bulowski (Pfarrei Sankt Elisabeth) mit Diakon Martin Gerstel.

Musikalische Gestaltung
Unter der Leitung von Regionalkantor Thomas Pieper gestalten die katholischen Kasseler Kirchenchöre, das Ensemble Classic Brass und ein Blechbläserquartett den Gottesdienst und die Prozession.

Prozession
In einer feierlichen Prozession wird der Leib Christi über die Untere Königsstraße zum Segensaltar am Vorplatz Staatstheater getragen. Den würdigen Rahmen der Prozession bilden neben vielen Gläubigen, die Bannerträger der Katholischen Vereine und Verbände, sowie die Kommunionkinder, die Ministrantinnen und Ministranten.

Traditionelle gemeinsame Feier
Nach dem Schlusssegen findet die traditionelle gemeinsame Feier auf dem Friedrichsplatz vor der Kirche Sankt Elisabeth statt. Ehrenamtliche Helfer aus allen Gemeinden versorgen dann die Gläubigen mit Speis und Trank. Das Jugendreferat gestaltet im Rahmen der Jugendleiterausbildung ein Kinderprogramm.

Stichwort: Fronleichnam
Anders, als es der mittelalterliche Name vermuten lässt, geht es an Fronleichnam um den lebendigen Leib Christi.
Am 60. Tag nach Ostern - am zweiten Donnerstag nach Pfingsten -  feiern die Katholiken Fronleichnam, das "Fest des heiligsten Leibes und Blutes Christi". Was also hat es damit auf sich, wenn die Christen die wahrhafte Gegenwart des Gottessohns in der heiligen Eucharistie feiern?
Als Brot des Lebens, als gewandelte Hostie steht Christus selbst im Mittelpunkt der prunkvollen Fronleichnamsprozessionen. Dafür steht auch der ungewöhnliche Name Fronleichnams, denn im Althochdeutschen steht "fron" für "Herr" und "lichnam" für "Leib". Eine wichtige Rolle spielt dabei die Hostie: auf den ersten Blick nur eine kleine unscheinbare Oblate - doch für gläubige Katholiken wird sie durch die Wandlung im Gottesdienst zum "Leib Christi".
Das geht zurück auf das letzte Abendmahl, als Jesus den Aposteln Brot austeilte mit den Worten "Das ist mein Leib". Dieses Geheimnis des "heiligen Brotes" steht auch im Mittelpunkt der feierlichen Fronleichnamsprozessionen, bei denen die Hostie in einer Monstranz durch die Straßen getragen wird.

Stichwort Fronleichnam

Fronleichnam – Hochfest des Leibes und Blutes Jesu Christi

Jedes Jahr am Donnerstag in der zweiten Woche nach Pfingsten feiern katholische Christen Fronleichnam (wörtlich „Der Leib des Herrn“).

„Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Jesus beim Mahl mit seinen Jüngern am Abend vor seinem Leiden und Sterben (nach dem Ersten Korintherbrief, Kapitel 11, Vers 24)

Ursprung und Entstehung

In Brot und Wein der Eucharistie (Heilige Messe, Abendmahl) ist Jesus Christus auf besondere Weise gegenwärtig. Das eucharistische Brot ist Leib, der eucharistische Wein ist Blut Jesu Christi.

Das ist das Vermächtnis Jesu, das er seinen Freunden am Abend vor seinem Leiden hinterlassen hat, als er mit ihnen zum Mahl zusammen war: Mit seiner ganzen Existenz („Leib“), wozu sein Leben, sein Tod am Kreuz und seine Auferstehung gehören, möchte Jesus für die Seinen wie Brot sein, das Leben gibt.

Schon seit alter Zeit wird das eucharistische Brot auch außerhalb der Mahlfeier aufbewahrt, zunächst als Speise für Kranke und Reisende, später auch als dauerhaftes Zeichen seiner Gegenwart und Hingabe an die Menschen.

Das Fronleichnamsfest wurde erstmals 1246 im Bistum Lüttich (Liége/Luik, Belgien) begangen und 1264 durch Papst Urban IV. in der gesamten katholischen Kirche eingeführt. Sehr bald danach entwickelte sich der Brauch, das Allerheiligste in einer festlichen Prozession von der Kirche hinaus durch die Straßen und Felder zu tragen.

 

Das geweihte Brot in der Monstranz

Versuch einer Deutung für Menschen, denen das Katholische fremd ist

Viele Menschen haben in ihrem Portemonnaie nicht nur Münzen und Scheine, Ausweis, Kredit- und Kundenkarten, sondern auch ein oder mehrere Fotos von Menschen, die ihnen sehr lieb sind. So haben sie den Partner, die Partnerin und die Kinder stets bei sich. Die kleinen Fotos stehen dafür, dass die geliebten Menschen gegenwärtig sind, auch wenn man wegen Arbeit, Geschäftsreise oder Sonstigem voneinander getrennt ist.

Genauso wissen sich Menschen in einer Liebesbeziehung mit Jesus Christus. Diese Beziehung für sich wahrnehmen, annehmen und in ihr leben, nennt man „Glauben“. Jedoch gibt es kein „echtes“ Bild von Jesus Christus. Das greifbare Zeichen seiner Liebe ist das geweihte Brot („Hostie“, „Sakrament“, „Allerheiligstes“). Fronleichnam ist deshalb das Fest, an dem man dieses Zeichen ganz besonders in den Blick nimmt (so wie man vielleicht in einer besonderen Stunde das Foto aus der Börse nimmt und anschaut). So erinnert das Zeichen in frohen und in schweren Stunden an die Gemeinschaft, die das Leben trägt: „Ich bin froh, dass Du bei mir bist!“

(Diakon Dietrich Fröba, Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt Kassel I)
Pfarrer Damian Herbert erinnert sich an die Fronleichnamsprozessionen innerhalb der völlig überfüllten Elisabethkirche.

Fronleichnam-Geschichte1

1927 feierten die Kasseler Katholiken ihr Fronleichnamsfest erstmals im öffentlichen Raum. Gottesdienst und Prozession auf dem Friedrichsplatz zum 150-jährigen Jubiläum der ersten katholischen Kirche in Kassel seit der Reformation markieren einen Höhepunkt. Wenige Jahre später beginnt unter der NS-Diktatur die innere Zerstörung, welcher die äußere Zerstörung im Weltkrieg folgt.

Fronleichnam-Geschichte2

Vergewisserung in einer Zeit, in der alles anders wird: Die Bistumszeitung "Bonifatiusbote" berichtet über die Fronleichnamsprozession 1958.

Fronleichnam-Geschichte3

Bilder vom Fronleichnamsfest 2010 und 2011 (Fotos: Hans-Joachim Denis)

Fronleichnam-Geschichte4

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