Fronleichnam

Fronleichnam – Hochfest des Leibes und Blutes Jesu Christi

Jedes Jahr am Donnerstag in der zweiten Woche nach Pfingsten feiern katholische Christen Fronleichnam (wörtlich „Der Leib des Herrn“).

„Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Jesus beim Mahl mit seinen Jüngern am Abend vor seinem Leiden und Sterben (nach dem Ersten Korintherbrief, Kapitel 11, Vers 24)

Ursprung und Entstehung

In Brot und Wein der Eucharistie (Heilige Messe, Abendmahl) ist Jesus Christus auf besondere Weise gegenwärtig. Das eucharistische Brot ist Leib, der eucharistische Wein ist Blut Jesu Christi.

Das ist das Vermächtnis Jesu, das er seinen Freunden am Abend vor seinem Leiden hinterlassen hat, als er mit ihnen zum Mahl zusammen war: Mit seiner ganzen Existenz („Leib“), wozu sein Leben, sein Tod am Kreuz und seine Auferstehung gehören, möchte Jesus für die Seinen wie Brot sein, das Leben gibt.

Schon seit alter Zeit wird das eucharistische Brot auch außerhalb der Mahlfeier aufbewahrt, zunächst als Speise für Kranke und Reisende, später auch als dauerhaftes Zeichen seiner Gegenwart und Hingabe an die Menschen.

Das Fronleichnamsfest wurde erstmals 1246 im Bistum Lüttich (Liége/Luik, Belgien) begangen und 1264 durch Papst Urban IV. in der gesamten katholischen Kirche eingeführt. Sehr bald danach entwickelte sich der Brauch, das Allerheiligste in einer festlichen Prozession von der Kirche hinaus durch die Straßen und Felder zu tragen.

 

Das geweihte Brot in der Monstranz

Versuch einer Deutung für Menschen, denen das Katholische fremd ist

Viele Menschen haben in ihrem Portemonnaie nicht nur Münzen und Scheine, Ausweis, Kredit- und Kundenkarten, sondern auch ein oder mehrere Fotos von Menschen, die ihnen sehr lieb sind. So haben sie den Partner, die Partnerin und die Kinder stets bei sich. Die kleinen Fotos stehen dafür, dass die geliebten Menschen gegenwärtig sind, auch wenn man wegen Arbeit, Geschäftsreise oder Sonstigem voneinander getrennt ist.

Genauso wissen sich Menschen in einer Liebesbeziehung mit Jesus Christus. Diese Beziehung für sich wahrnehmen, annehmen und in ihr leben, nennt man „Glauben“. Jedoch gibt es kein „echtes“ Bild von Jesus Christus. Das greifbare Zeichen seiner Liebe ist das geweihte Brot („Hostie“, „Sakrament“, „Allerheiligstes“). Fronleichnam ist deshalb das Fest, an dem man dieses Zeichen ganz besonders in den Blick nimmt (so wie man vielleicht in einer besonderen Stunde das Foto aus der Börse nimmt und anschaut). So erinnert das Zeichen in frohen und in schweren Stunden an die Gemeinschaft, die das Leben trägt: „Ich bin froh, dass Du bei mir bist!“

(Diakon Dietrich Fröba, Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt Kassel I)
Pfarrer Damian Herbert erinnert sich an die Fronleichnamsprozessionen innerhalb der völlig überfüllten Elisabethkirche.

Fronleichnam-Geschichte1

1927 feierten die Kasseler Katholiken ihr Fronleichnamsfest erstmals im öffentlichen Raum. Gottesdienst und Prozession auf dem Friedrichsplatz zum 150-jährigen Jubiläum der ersten katholischen Kirche in Kassel seit der Reformation markieren einen Höhepunkt. Wenige Jahre später beginnt unter der NS-Diktatur die innere Zerstörung, welcher die äußere Zerstörung im Weltkrieg folgt.

Fronleichnam-Geschichte2

Vergewisserung in einer Zeit, in der alles anders wird: Die Bistumszeitung "Bonifatiusbote" berichtet über die Fronleichnamsprozession 1958.

Fronleichnam-Geschichte3

Bilder vom Fronleichnamsfest 2010 und 2011 (Fotos: Hans-Joachim Denis)

Fronleichnam-Geschichte4

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