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Alles beginnt mit der Sehnsucht
 
Geistliches Leben, Spiritualität
ist ein aktuelles Thema. Das Interesse daran ist groß. Ohne Zweifel suchen viele Menschen nach einer Art zu beten, die ihnen gemäß ist, aber sie finden keine angemessene Hilfe und Begleitung.

Die Angebote der Exerzitienseelsorge möchte Menschen dazu verhelfen, ihre eigene Spiritualität zu finden und zu vertiefen.

Zu einem geistlichen Leben gehört das Verlangen nach "mehr". Nelly Sachs hat einmal das schöne Wort geprägt: „Alles beginnt mit der Sehnsucht!“ Die Sehnsucht ist der Motor für neues.

 

Eine Geschichte aus der Hindu – Tradition erzählt von einem Dorfbewohner, der einen geistlichen Lehrer aufsuchte und zu ihm sagte: „Ich möchte Gott sehen. Zeig mir, wie ich Gott erfahren kann!“. Der Sannyasi sagte, wie es für seinen Stand typisch ist, nichts und meditierte weiter. Der gute Mann aus dem Dorf kam mit seiner Bitte am nächsten Tag und an den Tagen darauf wieder, obgleich er keine Antwort erhielt. Schließlich sagte der geistliche Lehrer angesichts seiner Beharrlichkeit zu ihm: „Du scheinst wirklich ein Gottsucher zu sein. Heute nachmittag gehe ich zum Fluß hinunter, um mein Bad zu nehmen. Komm auch dahin.“ Als die beiden im Wasser waren, packte der Lehrer den Kopf des Mannes mit festem Griff und drückte ihn eine Zeitlang unter Wasser, bis der arme Mann strampelte, um nach Luft zu schnappen. Nach einer Weile ließ er ihn los und sagte: „Komm morgen wieder zu dem Banyan-Baum.“ Als er am nächstsen Tag kam, war es der Lehrer, der das Gespräch begann. „Sag mir doch,“ sagte er, „warum hast du so gestrampelt, als ich deinen Kopf unter Wasser hielt?“ – „Weil ich nach Luft schnappen wollte“, erwiderte der Mann, „ohne Luft wäre ich doch gestorben.“ Da lächelte der Sannyasi und sagte: „An dem Tag, an dem du so verzweifelst nach Gott verlangst, wie du nach Luft verlangt hast, wirst du ihn sicher finden.“

 

Ohne Gott, von dem wir geschaffen sind, sind wir wie Fische auf trockenem Land. Wenn man die Todesnot der Fische nicht empfindet, so deshalb, weil dieser Schmerz mit einer Unzahl anderer Bedürfnisse betäubt und unterdrückt wird.

(nach Anthony de Mello).

 

Eine andere Geschichte erzählt von einem jungen Mann, der zu einem geistlichen Lehrer kommt und bittet, sein Schüler werden zu dürfen. Der geistliche Lehrer fragt ihn: „Liebst du Gott?“ Der Schüler zögert und sagt schließlich: „Nein, ich glaube nicht, dass ich sagen kann, ich liebe Gott!“ „Hast du Sehnsucht danacht, Gott zu lieben?“ fragt der Meister weiter?“  Beschämt senkt der junge Mann den Kopf und sagt: „Ich weiß nicht einmal sicher, ob ich die Sehnsucht habe, ihn zu lieben!“ „Aber hast du Sehnsucht danach, Sehnsucht zu haben, Gott zu lieben?“ Da hellt sich das Gesicht des Suchenden auf und er sagt freudig: „Genau das ist es was ich spüre: die Sehnsucht danach, Sehnsucht zu haben, Gott zu lieben!“ „Das genügt“, antwortet der Meister. „Komm, sei mein Schüler!“

Nelly Sachs
 
Sehnsucht
Alles beginnt mit der Sehnsucht,

immer ist im Herzen Raum für mehr,

für Schöneres, für Größeres.

Das ist des Menschen Größe und Not:

Sehnsucht nach Stille, nach Freundschaft und Liebe.

Und wo Sehnsucht sich erfüllt,

dort bricht sie noch stärker auf.

Fing nicht auch Deine Menschwerdung, Gott,

mit dieser Sehnsucht nach dem Menschen an?

So lass nun unsere Sehnsucht damit anfangen,

Dich zu suchen,

und lass sie damit enden,

Dich gefunden zu haben.

 Nelly Sachs